Biennale 2013

VENEDIG 5. und 6. 11. 2013 - 4A, 4B, 5A, 5B KUNSTGYMNASIUM BOZEN.

Zur 55.Kunstbiennale galt es die Ideenthese des Chefkurators Massimiliano Gioni „der enzyklopädische Palast" zu ergründen. Dies geschah vorerst als Einführungsseminar in der Aula Magna unserer Schule mit den beiden 4. und 5.Klassen des Kunstgymnasiums. In der Folge dann der Besuch vor Ort in Venedig. Im Arsenale, der einst berühmt berüchtigten Waffenkammer der Venezianer, war unser erster Besuchstag vorgesehen. Hier, gleich zur Klärung des Konzeptes der Großausstellung, ist das Palastmodell „il palazzo enciclopedico" des Marino Auriti von 1950 ausgestellt. Die Turmform erinnert einerseits an den biblischen Turm zu Babel, andererseits dem Inhalt nach, wird eine Art „Wunderkammer des Wissens" dargestellt. Der Gedankenstrich dazwischen verbindet Utopisches mit der Allmachtphantasie einer Wissensgesellschaft und beinhaltet gleichsam die Idee des Scheiterns durch die faktische Unmöglichkeit, das ganze „enzyklopädische Wissen" durch eine Form der Gestaltung, den Palast-Turm (1950), oder durch heutige digitale Datenbanken, den big data, zu erfassen.

150 Künstler waren vom Chefkurator eingeladen dieses Konzept neu, anders herum...zu denken und darzustellen. Den Schülern/innen war eine schiere Überfülle von Ausdrucksmöglichkeiten geboten. Dokumentiert wurde mittels Fotoapparat und Videokamera.

Am zweiten Tag ging es zu den Giardini, wo das Ausstellungskonzept im Palazzo delle Esposizioni über die Gegenüberstellung zweier unterschiedlicher Ansätze gleich am Eingang erfolgte: C.G.Jung mit seinem „roten Buch" und Rudolf Steiner mit den „Lehrtafeln" einerseits und A.Bretons Gesichtsmaske andererseits. Bretons Maske hat verzogene Lippen, deutet ein Schmunzeln an, als ob er sich einem vermeintlichen Lustraum hingebe...

Zur Klärung: Jungs Archetypentheorie und Mystik, Steiners Anthroposophie gehen zusammen - beide, Jung und Steiner, im Einverständnis Übersinnliches, Esoterisches, Orientalisches zuzulassen. Sie beziehen in ihren Theorien – vor allem Jung – Geschichten, Erzählungen, Mythen, Mystisches-Magisches mit ein. Im Gegensatz dazu Bretons Surrealistentheorie. Er, Breton, machte sich S.Freuds Lustprinzip und K.Marx' Sozialutopie zum Arbeitsprinzip. Breton/Freud stellen die Wünsche und Nöte des Subjekts in den Vordergrund. Das Es, das Lustprinzip, als Motor künstlerischen Ausdrucks ganz ohne Mystik und Esoterik auskommend...Mit diesem konzeptuellen Auftrag, Unterschiede in den Darstellungen zu entziffern, wurde der vom Chefkurator erdachte Parcours auch von den Schülern erkundet.

Mit weit größerer „theoretischer Freiheit" wurde die Idee des „Enzyklopädischen" von externen Kuratoren der 28 Nationalpavillons interpretiert. Eine Nachbesprechung während der Rückfahrt im Bus erfolgte im Ansatz; die Nachbereitung im Unterricht wurde zur Notwendigkeit.

Prof. Erwin Lantschner