Toteis – Oper hautnah erfahren - Ein FU-Projekt der 4DM

Die diesjährigen FU-Tage der 4.Klasse des Sprachengymnasiums mit Landesschwerpunkt Musik standen ganz im Zeichen der modernen Oper. Alles war geplant und organisiert. Im Mittelpunkt stand die intensive Auseinandersetzung mit der Premierenoper „Toteis“ der Südtiroler Komponistin Manuela Kerer. Der Höhepunkt wäre der Besuch der Oper im März in Bozen gewesen. Doch dann machte uns Corona einen Strich durch die Rechnung. Die Oper wurde um ein Jahr verschoben, die FU-Tage nach hinten gerückt und zudem gekürzt. Somit mussten wir auch unser Projekt etwas abspecken und vor allem digital planen.

1In den ersten drei FU-Tagen Ende Jänner bekamen wir anfangs virtuellen Besuch von der renommierten Dramaturgin Elisabeth Thaler, die uns tiefe Einblicke in ihr Schaffen und ihre Aufgabenbereiche, besonders bei der Inszenierung der Oper „Toteis“, gewährte. Wir hatten im Vorfeld die einmalige Gelegenheit mit Sondergenehmigung das spannende Libretto des Tiroler Dramatikers Martin Plattner zu lesen.

Ebenfalls zugeschaltet war die bekannte Südtiroler Filmemacherin Karin Duregger, die eine beeindruckende Dokumentation über die Hauptperson der Oper, Viktoria Savs, gedreht hatte. Sie brachte uns die historische Figur näher und verwies auch auf die Ambivalenz dieser Persönlichkeit. Viktoria Savs aus Meran rückte nämlich mit sechszehn Jahren als Mann verkleidet in den Ersten Weltkrieg ein, kämpfte an der Seite ihres Vaters an der Dolomitenfront und wurde im Zuge dessen schwer verletzt und verlor ein Bein. Das wurde dann propagandistisch ausgeschlachtet (Das Heldenmädchen der Drei Zinnen) und auch vom Nationalsozialismus wieder aufgegriffen.

2Den Abschluss bildeten die Ausführungen von Matthias Lošek, dem Artistic Director/Oper der Stiftung Haydn von Bozen und Trient. Er war es auch, der alle Kontakte geknüpft hatte und uns überhaupt auf die Idee brachte, uns mit einer modernen Oper auseinanderzusetzen. In einer sehr persönlichen und zugleich enthusiastischen Art und Weise entführte er uns in seine Welt, erzählte von seinem Werdegang, den Aufgabenbereichen eines künstlerischen Leiters und auch den Problemen und Vorurteilen, denen er begegnet, wenn er versucht, die Oper zu „entstauben“ und in ein modernes Outfit zu kleiden.

Nach dem ganzen Input war es nun an den Schüler*innen zu arbeiten. Sie wählten sich einen Stoff aus, den sie selbst gerne als Oper sehen würden. Danach war es ihre Aufgabe, dazu ein Exposé zu schreiben, eine Szene auszuarbeiten und mit einem Notationsprogramm ansatzweise auch die Musik dazu zu schreiben. Die Wahl fiel auf folgende Stücke: „Das Parfüm“ von Patrick Süskind wurde zu „Laure Nr. 25“ von Clara, Aylin, Katia und Eva Maria. Der Roman „1984“ von George Orwell wurde von Greta, Giulia, Simon und Nadia zu „2120“ adaptiert. Isabel, Beltina, Ester und Lara ließen sich von der Modeikone Coco Chanel inspirieren. Margó, Nadine, Zandalee und Anna nahmen es mit „The Great Gatsby“ auf. Schließlich beschäftigten sich Elisabeth, Sara und Barbara mit dem Psychothriller „Split“. Die Schüler*innen arbeiteten anfangs unter strenger Einhaltung der Sicherheitsmaßnahmen an der Schule und wurden im Lockdown dann sogar zweimal von Herrn Lošek begleitet und beraten, damit sie sich nicht zu sehr verirrten.

I3n den zweiten FU-Tagen „besuchte“ uns dann die Komponistin der Oper „Toteis“ Manuela Kerer und eröffnete uns eine ganz neue Perspektive auf die Thematik. Sie erzählte uns vom Prozess des Komponierens und von ihrer konkreten Zusammenarbeit mit Elisabeth Thaler und Martin Plattner bei der Verwirklichung der Oper „Toteis“.

Den krönenden Abschluss bildete dann die Präsentation der einzelnen Gruppenarbeiten. Die Schüler*innen befanden sich in einem fiktiven Wettbewerb und sollten ihr Projekt besonders eindrucksvoll vorstellen, damit es auch verwirklicht werden könnte. Alle Gruppen legten sich mächtig ins Zeug und lieferten in beeindruckender Weise Vorschläge ab. Sie umrissen kurz den Inhalt, stellten eine Szene exemplarisch vor, lieferten Ideen zu Kulisse und Kostümen (Skizzen), gewährten uns Einblick in ihre Motivation und Intention und ließen uns schließlich auch eine Hörprobe ihrer musikalischen Arbeit genießen. Herr Direktor Lošek war im Anschluss voll des Lobes für alle Gruppen und gab allen ein persönliches Feedback. Er betonte, dass er ein so hohes Niveau nicht erwartet hätte, und lud alle zur Oper „Alice“ ein und zusätzlich zu einem persönlichen Treffen mit dem mit einem Silbernen Löwen ausgezeichneten Komponisten Matteo Franceschini.

An dieser Stelle nochmals ein großes Dankeschön für die unentgeltliche Mitarbeit aller Beteiligten, besonders aber an Matthias Lošek und die Stiftung Haydn, die das Ganze erst möglich gemacht haben.

von Leonhard Kompatscher

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