Drama im Gymnasium „Walther von der Vogelweide“

ZimmermannDrama hat mit dem griechischen Begriff „dran“ – (Tun) zu tun. Drama bedeutet also so viel wie „Handlung“. Im Alltag versteht man unter Drama gern so etwas wie Beziehungs- oder Familiendramen. Auch dabei geht es – wie auf der Theaterbühne – um extreme Gefühle.

Prof. Zimmermann, bekannter und geschätzter Klassischer Philologe an der Universität Freiburg, hat seine Wissenschaftsarbeit zu einem großen Teil dem Drama gewidmet. Wer seine Publikationsliste durchstöbern möchte, findet dort neben Standardwerken zum Drama und zahlreichen Textausgaben auch Titel wie Europa und die griechische Tragödie. Vom kultischen Spiel zum Theater der Gegenwart, Dichtung und Musik. Überlegungen zur Bühnenmusik im 5. und 4. Jahrhundert v. Chr., Plautus und die Tradition des Stegreifspiels, Parodie dithyrambischer Dichtung in den Komödien des Aristophanes, Die Krise der Polis im Spiegel der attischen Tragödie, Krieg - der gewalttätige Lehrmeister. Zur Darstellung des Kriegs in der griechischen Tragödie des 5. Jahrhunderts v. Chr., Seiner Zeit voraus – Zur Aktualität des Euripides im 21. Jahrhundert, Spott als Medium der Gruppenbildung und Ausgrenzung in der griechischen Komödie des 5. Jahrhunderts v. Chr. u.v.m.

Mitte Oktober kam Prof. B. Zimmermann ans Klassische Gymnasium „Walther von der Vogelweide“ und referierte und diskutierte mit den Schülern der 3., 4. und 5. Klasse die Geschichte des Dramas (von den griechischen Ursprüngen bis heute).

Es waren spannende zwei Stunden: B. Zimmermann gelang es die kultischen Ursprünge des Dramas neben den politisch-demokratischen Implikationen anschaulich darzulegen genauso wie die Weiterentwicklung der Gattung in viel privaterem römischem Rahmen. Das Wiederaufleben der antiken Tragödie in der Renaissance im Teatro Olimpico (Vicenza) wie die unterschiedlichen Deutungen der Gattung durch Winckelmann und Nietzsche waren ebenso Teil der Darlegung wie die verschiedenen Möglichkeiten und Ausformungen von Komödie und Tragödie.

Dazu kommt für die Geschichte des Dramas natürlich auch die höchst spannende Überlieferungssituation: Was wird in welcher Zeit warum aufbewahrt, der Aufbewahrung für wert befunden und welche reinen Zufalls- und Glücksüberlieferungen gibt es zusätzlich?

B. Zimmermann hat einen weiten Blick auf ein sehr, sehr spannendes Thema geöffnet, an dem in der Schule nun weitergearbeitet wird; am ursprünglichen Dramenverständnis zwischen Religion und Demokratie und der großen Frage von heute: Hat das Drama nur ästhetische oder auch erzieherische Aufgaben? B. Zimmermann machte darauf aufmerksam, dass die Aufführung bestimmter griechischen Tragödien heute in engem Zusammenhang mit politischen Fragen steht: Nach einer Häufung von Kindsmorden Anfang des 21. Jahrhunderts wurde die „Medea“ extrem oft gespielt, Aischylos‘ „Hiketiden“ standen in engem Zusammenhang mit der Flüchtlingsproblematik vor wenigen Jahren.

Auch bestimmte Theaterelemente, wie der Chor, sind spannende Momente in der Rezeptionsgeschichte, die es wert wären, genauer untersucht zu werden.

Die Schüler*innen waren begeistert und bedankten sich mit langem Applaus. Es ist schön, dass nach den langen Covidmonaten nun auch wieder andere Themen zur Sprache kommen dürfen und dass der Blick über den Tellerrand wieder möglich wird genauso wie Orientierung im universitären Bereich, die in diesem Fall in beeindruckender Weise umgesetzt werden konnte.

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